Während es für junge Führungskräfte eine Unzahl von Programmen gibt um sie mit vielen Anforderungen im Unternehmen vertraut zu machen, gibt es das in der Regel für die gestandenen Leute meist nicht mehr. Damit wächst die Gefahr für Routine und nicht selten Langeweile. Ob es nicht besser ist, daran etwas zu ändern?

Vor einiger traf ich die Leiterin eines Pflegeheims nach 5 Jahren wieder. Auf meine Frage: „Na, noch immer im gleichen Laden?“ schaute sie mich an und sagte: „Na ja, ich würde schon gern was anderes machen, aber wo soll ich hin.“ Diese Frau ist beileibe kein Einzelfall. Gerade das mittlere Management hat es oft mit einer fatalen Situation zu tun. Ein weiterer Aufstieg innerhalb der Hierarchie ist nicht möglich, der Wechsel des Unternehmens wird aber nicht ins Auge gefasst, weil die jetzige Tätigkeit nicht schlecht ist. Also wird weiter gemacht. Es ist so ein bisschen wie baden im lauwarmen Wasser. man weiß was man hat. Doch zufrieden stellend ist das nicht. Der Kick des Neuen, des Ungewohnten, der Herausforderung es noch mal zu zeigen, fehlt.

Die Unternehmensberatung Accenture hat in einer Studie herausgefunden, dass 60% der Mitarbeiter in den mittleren Führungsebenen unzufrieden sind. Vielleicht eine latente Gefahr für das Unternehmen. Denn gerade die mittlere Ebene trägt die meiste Last im Unternehmen. Sie sind es in der Regel die Veränderungen durchsetzen und ihre Mitarbeiter dafür gewinnen müssen. Wenn sie den Ansporn verlieren wird es für die Unternehmen eng.

Um hier Abhilfe zu schaffen, gehen immer mehr Unternehmen den Weg der Job Rotation. Sie machen den geplanten Arbeitsplatz oder Aufgabenwechsel zum festen Bestandteil der Personalplanung. Das geht oft soweit, das Führungskräfte sogar neuen Aufgabenfelder erschließen. Beispielsweise vom Controlling zur IT-Abteilung. Solche Wechsel können sehr belebend auf die Einzelnen wirken. Können, denn nicht für jeden liegt im Wechsel der Quell der Begeisterung. Viele wollen, trotz latenter Unzufriedenheit am Ende dann doch lieber bei dem bleiben, was sie kennen.

Wenn ich daran denke, wie viele Heim-, Pflegedienst-, oder Abteilungsleitungen ich kenne die gute Arbeit machen aber nicht mehr so recht glücklich sind, dann könnte ich mir gut vorstellen, dass denen ein systematischer Anreiz zur Job Rotation größere Zufriedenheit bringt. Davon hätten alle etwas, das Unternehmen weil es die Führungskräfte halten kann, die Führungskräfte selbst, weil sie wieder eine neue Herausforderung haben und deren Mitarbeiter, weil neue Führungskräfte auch sie neu fordern. Wichtig scheint mir zu sein, dies nicht gegen den Willen der Leute zu machen, sondern sie über die Vorteile der Job Rotation zu informieren. Doch dieser Appell an die Freiwilligkeit darf keinesfalls den Willen des Unternehmens brechen, es auch durchzusetzen. Denn ganz ohne Widerstand wird es nicht gehen.