Einige aber doch. Hans Jochen Vogel, 80 Jahre alt, ehemaliger Bundesminister, Kanzlerkandidat und Parteivorsitzender der SPD ist mit seiner Frau Liselotte in ein Münchener Seniorenstift gezogen. Wie hunderte anderer, weitaus weniger Prominenter, vor ihnen auch. Widerspricht das der Aussage, dass mehr als 90% der Deutschen nicht ins Heim wollen?

Wohl eher nicht. Bei den Vogels war der Entschluss vor 4 Jahren aufgrund erster Anzeichen von Gebrechlichkeit gefallen. Liselotte Vogel bekam zunehmend Schwierigkeiten beim Treppensteigen. Daraufhin entschlossen sie sich in das Seniorenstift umzuziehen, weil sie dort ohne einen weiteren Umzug bei Bedarf gepflegt werden können. Beide fanden diesen Weg sehr vernünftig und bereuen ihn nicht.

Die Realität scheint also nicht so einfach zu sein und in der Frage zu gipfeln, sind Heime im Alter gut oder schlecht? Sondern eher darum, was passt zur persönlichen Lebenssituation jedes einzelnen Menschen. So kommt für den ehemaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt, ein Einzug in ein Heim in keinem Fall in Frage. „Da bringen mich keine 10 Pferde rein!“ soll seine Antwort auf die Frage gewesen sein, ob er sich ein Alter im Seniorenheim vorstellen könnte. Auch für den ehemaligen Bremer Bürgermeister Henning Scherf liegt die Altersperspektive außerhalb einer Institution. Er zog hat vor etwa 10 Jahren mit gleichaltrigen Freunden in ein großes Haus in der Bremer Innenstadt und gründet dort eine WG. Hilfestellung und bei Bedarf von außen geholte professionelle Hilfe sollen ein Leben mit Pflege auch dort ermöglichen.

Was alle drei Lösungen gemeinsam haben, ist die Selbstbestimmung. Wenn ich alt werde, dann möchte ich selbst entscheiden, wie ich lebe, wo ich lebe und vor allem, was mit mir angestellt wird. Ob das dann in einem Heim geschieht, in meiner Wohnung oder in einer WG ist, scheint mir von nachrangiger Bedeutung. Vor diesem Hintergrund ist ein Heim keine schlechtere Lösung, als andere auch. Schlecht ist die Lösung Heim erst dann, wenn ich gegen meinen Willen dort bin, weil ich scheinbar oder tatsächlich keine Alternativen habe.

Für Menschen meines Alters, 53 Jahre, bedeutet dies, sich zeitig um solche Alternativen zu bemühen, wenn es ein Leben im Heim nicht sein soll. Aber auch ein Leben im Heim will gut überlegt und geplant sein. Auch hier scheint es von Vorteil, nicht erst vor Tores Schluss damit zu beginnen.