„Die haben wir doch erst vor 10 Jahren abgeschafft, nun kommen sie wieder?“ Mit dieser Aussage kommentierte ein leitender Mitarbeiter die Etablierung einer neuen Führungsebene. Ganz offensichtlich sah er darin einen Rückschritt und ein Eingeständnis der Geschäftsleitung, dass die damalige Entscheidung ihrer Abschaffung falsch gewesen sei. Ist das wirklich so?

„Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern.“ Diese Konrad Adenauer zugeschriebene Aussage wird oft herangezogen um Menschen mit einer wankelmütigen Haltung zu beschreiben. Tatsächlich wird hier ein Pragmatismus deutlich, der sich bei vielen guten Führungskräften wiederfindet. Es geht darum zwischen oft diametral entgegengesetzten Lösungswegen den richtigen zu finden. Jeder der im Management arbeitet kennt das. Eine neue Software zur Steuerung der Kundeninformationen soll angeschafft werden. Setzten sich nun die Marketingleute oder doch die IT- bzw. die Einkaufsabteilung durch? Ist es vorteilhafter Aufgaben zentral zu organisieren oder doch dezentral? Soll die Führung situativ oder doch kollegial sein? Immer gilt es zwischen mindestens zwei, meist deutlich auseinanderliegenden, Polen zu entscheiden. Und die Lösung dieses Zwiespaltes?

Ich schreibe es ausgesprochen gern, weil es in unserer heutigen Zeit so selten vorkommt, oder sich niemand mit dieser doch einfachen Wahrheit als lösungsloser Mensch hinstellen will: Es gibt für diesen Zwiespalt keine Lösung! Oder besser, keine zweifelsfreie, klare letztlich alles lösenden Entscheidung. Stattdessen gibt es eine für das hier und jetzt. Eine Lösung die aus dem Blickwinkel der heute daran Beteiligten für die Beste in der momentanen Lage gehalten wird. Praktiker werden sich völlig klar darüber sein, dass diese Lösung in einigen Jahren hinfällig sein wird, weil die Zeit sich ändert, das Wissen ein anderes geworden ist und die Erfahrungen allgemein zugenommen haben. Ein Problem das heute in einer bestimmten Art gelöst wird, muss morgen völlig anders gelöst werden. Was heute z.B. dezentral geregelt wird, muss morgen zentral gelöst werden.

Solch ein Verständnis erfordert die Abkehr von den Allmachtsfantasien, wenn sie denn vorhanden sind, für alles und jedes die ultimative und letztendliche Antwort gefunden zu haben. „Aus, Schluss, das Problem haben wir ein für allemal gelöst“. Meiner Erfahrung nach hat dieser Satz noch nie gestimmt. Wir haben es höchsten für den (etwas längeren Augenblick) gelöst. Damit sollten wir uns zufrieden geben.