Wenn Ihnen jemand 100 € unter der Voraussetzung gibt, Ihrem Nachbarn soviel davon zu geben, dass er zufrieden ist, dürfen Sie beide das Geld behalten. Ist Ihr Nachbar unzufrieden, dann ist das Geld für beide weg. Wie viel würden Sie ihm geben? 1, 2 oder 10 Euro?

Eigentlich wären die genannten Summen für Ihren Nachbarn ein, wenngleich kein gutes, so doch ein Geschäft. Er hätte wenigstens einige Euro. Wahrscheinlicher ist aber, dass er den Deal zornig platzen lassen würde. Er würde sich unfair behandelt vorkommen.

Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass Menschen fair doch lieber fair miteinander umgehen. Natürlich nicht ohne eine gewisse Portion Eigennutz. Sie machen es in der Hoffnung, wenn sie fair zu anderen sind, wird auch fair mit ihnen umgegangen. In dem obigen Fall, würden die meisten davon ausgehen, das der Nachbar sauer auf die paar Euro reagieren würde und bieten gleich zwischen 30 und 40€ an. Denn das scheint die Grenze zu sein, bei der viele Nachbarn schon mal anfangen würden zu überlegen. In der überwiegenden Zahl der Fälle läuft der Prozess meist auf die Hälfte raus.

Was lehrt uns das? Speisen Sie  niemals Leute mit dem Minimum ab, sie boykottieren entweder gleich den Deal oder suchen spätere Rache. Und die kommt meist teuer zu stehen.

Quelle
FAZ am Sonntag