Bei einem Gang durch den Wagen des abendlichen ICE von Berlin nach Hamburg sehe ich sie, die Handlungsreisenden in Sachen Globalisierung. Dunkler Anzug, Zeitung, Laptop und ein müdes Gesicht gehören zu ihrer Grundausstattung. Die eine oder andere Frau mischt sich gelegentlich auch unter dieses meist nicht mehr putzmuntere Völkchen. Das ist sie nun, die mobile, flexible, erfolgreiche und schlechterdings leistungsfähigste Mitarbeiterschaft die unser Land derzeit aufzubieten hat. Ob diese Form des Arbeitslebens gut für die Gesellschaft oder gut für den Einzelnen ist, sei dahingestellt.

Pendler zwischen den Städten, Wochenendpendler oder andere Formen wohnortfremder Arbeitsplätze haben ihren Preis. Wer nicht freiwillig pendelt, und die wenigsten werden dies tun, bei denen stellt sich das Gefühl ein, die Kontrolle über das eigene Leben verloren zu haben. Freude ziehen sich nicht selten zurück, alles was unter der Woche liegen bleibt, muss am Wochenende erledigt werden, Kinder gehen auf Distanz und Aktivitäten in Sportvereinen unterbleiben meist völlig. Das Gefühl wie ein Hamster im Rad genötigt zu sein, immer schneller zu laufen, stellt sich unmerklich ein.

29% der befragten gaben einer Studie zufolge an, ihr mobiles Leben dauere nur eine gewisse Zeit dann sei es wieder vorbei. Sie mussten dann aber feststellen, dass ihr Arbeitsplatz nur sicher war, wenn sie weiterhin pendelten oder von einem Ort zum anderen reisten. Das Ergebnis waren Gefühle von permanenter Überlastung.

Unternehmen sollten sich Gedanken darüber machen, hier korrigierend einzugreifen, etwa indem sie alternierend Tätigkeiten mit geringerer Reisetätigkeit und solche die auch vom Heimarbeitsplatz aus erledigt werden können, anbieten. Denn nach wie vor gilt, zufriedenen, heißt nicht permanent überforderte Mitarbeiter, sind ein größerer Garant für Erfolge als ausgepowerte Leute.