„Herr Schröder. So einfach wie Sie sich das vorstellen ist es bei uns nicht“.  Diese Antwort bekam ich auf meine Frage „Warum sagen Sie  Ihrem Vorgesetzten nicht, dass er auf dem Holzweg ist und Sie dieses Vorgehen in der jetzigen Form nicht mittragen werden“?  Seiner Mimik nach zu urteilen, leicht hochgezogene Augenbrauen, begleitet von eine langem Seufzer, hielt er meine Frage offenbar für die eines völlig weltfremden Menschen.

Vor einiger Zeit habe ich vom Geschäftsführer einer mittelgroßen Klinik folgendes gehört: „Die meisten unsere Mitarbeiter sind Geistesarbeiter die Ihr Wissen im Kopf tragen. Dieses Wissen nehmen Sie abends mit nach Hause. Und ich kann nur hoffen das sie morgen damit wieder kommen“.  Es ist erstaunlich welch großer Unterschied zwischen diesen beiden Einstellungen besteht. Auf der einen Seite der Mitarbeiter der Angst davor hat, dass ein Nein ihn womöglich seinen Arbeitsplatz oder doch wenigsten seine Karriere kostet und auf der anderen Seite der Geschäftsführer der darum bangt, dass seine Geistesarbeiter auch jeden morgen wieder kommen.

Ich kann mir das nur so erklären, dass die Mitarbeiter immer noch nicht begriffen haben, in welcher Rolle sie sich befinden. Nehmen Sie einen  Arzt, eine Krankenschwester oder auch eine qualifizierte Personalsachbearbeiterin. Sie alle sind nicht einfach so zu ersetzen. Insbesondere dann nicht, wenn sie neben dem Fachwissen auch noch durch langjährige Klinikzugehörigkeit spezielles Wissen erworben haben. Eigentlich eine durchaus mächtige Position die sie dadurch besitzen. Und doch begegnet mir, in dem oben beschriebenen Beispiel ein Abteilungsleiter, der sich nicht traut, seine Meinung zu sagen.  Ganz offensichtlich aus Angst vor Nachteilen.

Natürlich gibt es unzählige Beispiele dafür, dass Mitarbeitern Nachteile durch eigene Meinungen entstehen. Und genau  hier  liegt „der Hund begraben“. Jeder weiß das eine eigene Meinung, insbesondere die hörbar vorgetragene, ihren Preis hat. Und den gilt es zu bezahlen. Hält man den Mund, ist der Preis der, dass man sein Recht auf Kritik verwirkt hat. Macht man den Mund auf, ist der Preis der, dass man mit einem Karriereknick oder gar Arbeitsplatzverlust  rechnen muss.

Ist das wirklich so? Ich glaube nicht, oder zumindest nicht zwangsläufig. Kliniken brauchen ihre Geistesarbeiter heute mehr denn je. Sie werden sich nicht einfach von ihnen trennen können, wenn ihnen deren Meinung nicht gefällt. Sie werden lernen müssen, sich damit auseinanderzusetzen um ihre fähigsten Köpfe zu halten. Denn diese kritischen Geistesarbeiter sind der eigentlich Garant für eine erfolgversprechende Zukunft. Daran sollte denken, wer sagt: „So einfach kann man bei uns nicht nein sagen“. Doch man kann und man sollte auch.