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Da laufe ich eines Morgens durch die Halle eines deutschen Geldinstitutes und treffe auf einen führenden Mitarbeiter. „Ich habe gehört sie kommen heute nicht zur Präsentation?“ fragte ich den Betreffenden. „Nein, mein Vorgesetzter war der Meinung, dass wir dort nicht beide sein müssten“ war die eigentlich unproblematische Erklärung. Wenn bloß die hochgezogene Augenbraue nicht wäre. In ihr war alles ausgedrückt was dieser Mensch von seinem Vorgesetzten hielt. Allem Anschein nach, gar nichts. Ein klassischer Fall wie sich schlecht behandelte Mitarbeiter wehren.

Im Berufsleben lernt man sich angemessen zu artikulieren. Dazu gehört auch, dass es meist besser ist nicht zu viel zu sagen, oder wie die alten Hasen es formulieren „Im Graben zu bleiben“ wenn man anderer Meinung ist. Zu oft haben viele schon am eigenen Leib oder als hautnahe Zeugen miterleben müssen, welcher Preis zu zahlen ist.

Dieses Unternehmen von dem hier die Rede ist, ist beileibe kein schlechtes. Mitarbeiterentwicklung, fairer Umgang untereinander sind postulierte Werte. Und dennoch produzieren sie ganz offensichtlich derartiges Verhalten. Es könnte mit daran liegen, dass es keine angemessene Streitkultur pflegt. Die Bereitschaft des Unternehmens in die Auseinandersetzung mit den Mitarbeitern zu gehen, ihnen nicht nur viel Einsatz abzuverlangen, sondern auch ein offenes Wort, könnte hier helfen.

Wenn es gelänge den Mitarbeitern, übrigens besonders denen in der Führung zu vermitteln, dass offene Worte kein Karrierebruch bedeuten, sie nicht mit Drangsalierungen zu rechnen haben und auch keine anderen Nachteile dadurch erleiden müssen, dann bräuchten diese Mitarbeiter nicht Betriebsfremde zu Partner im Konflikt mit ihrer Firma zu machen.

Dann könnten sie ihren Chefs sagen, dass es nicht in Ordnung ist, wenn sie einfach ausgeladen werden. Mit den fadenscheinigsten Begründungen ausgeladen werden. Sondern darauf bestehen, wie geplant hinzugehen. Das Ergebnis wären zufriedene Mitarbeiter und Kunden die keiner Betriebsspannung ausgesetzt sind.