Es gibt kein Krankenhaus das sie nicht hat, Leitbilder und Führungsgrundsätze. Aber mal ehrlich, wer richtet sich nach ihnen, wer liest sie und wer braucht sie überhaupt? Ich glaube es ist an der Zeit sich davon zu verabschieden und neue Wege zu gehen.

„Tue nichts, was du nicht willst, dass es dir angetan werde, und unterlasse nichts, was du wünschst, dass es dir getan würde“. Dieser Satz findet sich im Unternehmenskodex der Rhoen AG als Leitlinie für die Mitarbeiter. Der Mensch im Mittelpunkt heißt es heißt es beim St. Josef Krankenhaus in Moers. Diese Beispiele ließen sich fortsetzen und würden zu Tage fördern, dass an vielen Stellen mehr oder weniger erfolgreiche Versuche unternommen werden, Leitlinien so zu formulieren, dass sie von Mitarbeitern befolgt und von Patienten und anderen Interessierten verstanden werden können. Das Problem der Leitlinien besteht nicht darin sinnvolle Grundsätze zu formulieren, sondern in der Untauglichkeit verbindlich zu sein.

Machen Sie doch die Probe aufs Exempel und fragen bei den Mitarbeitern nach, wie die wichtigsten Merkmale ihres Leitbildes, oder die zentralen Führungsgrundsätze heißen. Im günstigsten Fall erhalten Sie vage Formulierungen wie „Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt und wir führen partnerschaftlich“. Ähnlich wird es Ihnen ergehen wenn Sie Patienten danach fragen, wofür die Klinik eigentlich steht. Und das ist auch nachvollziehbar. Weil beiden Gruppen, Mitarbeiter wie Patienten andere Sorgen haben als sich mit Leitbildern zu beschäftigen. Die einen müssen den Tagesbetrieb aufrechterhalten und die anderen wollen ihre Schmerzen und Beeinträchtigungen loswerden. Und Leitbilder taugen nicht dazu, Handlungsleitend zu sein.

Warum ersetzt man die meist gut gemeinten Erklärungen was die Klinik will und wofür sie steht nicht einfach durch Ziele und Maßnahmen? Und zwar durch solche Ziele die auch eine Bedeutung für die Mitarbeiter haben. Der Slogan „Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt“ würde gestrichen und stattdessen auf allen Abteilungen verbindlich vereinbart werden, dass kein Patient länger als 15 Minuten auf die Behandlung oder Untersuchung warten muss. Das Ziel ist eindeutig, nämlich die Wartezeiten für die Patienten zu verkürzen. Wenn das nicht eingehalten wird, müssen Maßnahmen ergriffen werden, die dies zukünftig verhindern. Patienten würden mit dieser Information eine Menge anfangen können. Es bedeutet für sie einen echten Nutzen weil sie Anspruch auf kurze Wartezeiten haben.

Würden nur noch überprüfbare Ziele kommuniziert, hätte das den unschätzbaren Nebeneffekt, dass umfangreiche Publikationen, Handbücher und Broschüren auf ein lesbares und erinnerbares Maß schrumpfen könnten. Getreu dem Motto: Wenige, aber ehrgeizige Ziele.

Mir persönlich würde völlig ausreichen, wenn mir ein Krankenhaus sagen würde: „Wir unternehmen alles, um Sie gesund zu machen“. Mehr brauche und will ich nicht wissen. Denn wie gesagt, ich habe andere Sorgen.

Als Mitarbeiter würde mir ausreichen, wenn ich wüsste was ich zu tun habe um die Ziele der Klinik in meinem Einflussbereich umzusetzen. Wie gesagt, auch als Mitarbeiter habe ich andere Sorgen.