Ob Krankenhaus oder Altenbereich, Übernahmen sind an der Tagesordnung. Die Rhön Gruppe übernimmt die Uniklinik Gießen und Marburg und die Vitanas Gruppe die Pflegen und Wohnen in Hamburg. Wirtschaftlich sind diese Deals gut abgesichert und durchgerechnet. Doch wie sieht es mit der Akzeptanz solcher Transaktionen bei den Patienten oder Bewohnern aus?

Auf den ersten Blick könnte man zu der Einschätzung kommen, dass es sie nicht weiter interessiert. Für sie ändert sich ja nicht viel. Das Personal bleibt in der Regel dasselbe, die Behandlung und Betreuung wird unverändert weiter geführt und auch Essen und Trinken bleiben gleich. Das Leben geht weiter.

Diese Sichtweise scheint mit dafür verantwortlich zu sein, dass Kundenverhalten bei Übernahmen eine eher untergeordnete Rolle spielen. Dennoch drohen gerade aus dieser Gruppe erhebliche Gefährdungen für Auslastung und Umsatz.

Der Ruf des übernehmenden Unternehmens

Die Heuschreckenformulierung von Franz Müntefering macht längst nicht mehr Halt bei den Private Equity Unternehmen sondern wird mehr und mehr zur Beschreibung von Unternehmen eingesetzt, die sich nur noch um ihren Gewinn kümmern. Handelt es sich bei der Übernahme um ein Privatwirtschaftliches Unternehmen und steht es in dem Ruf, mit harter Hand zu sanieren, um eine möglichst hohe Rendite zu erwirtschaften oder handelt es sich um ein Unternehmen das im Ruf steht, umsichtig zu handeln. Beides hat erhebliche Auswirkungen auf die Patienten und Bewohner. Angst und Unsicherheit oder Zuversicht und Vertrauen sind Folgen dieser unterschiedlichen Wahrnehmungen und Nährboden für allerlei Vorstellungen und Vermutungen, die Bewohner und ihre Angehörigen nicht für sich behalten werden. Eine rege Diskussion wird einsetzen und je nach Ruf des Unternehmens destruktiv oder konstruktiv wirken.

Da es schlechterdings unmöglich ist, eine Diskussion über für und wider der neuen Situation zu kontrollieren, erscheint es hilfreich viel Energie und Zeit darauf zu verwenden, Bewohner und Angehörige von dem Nutzen der neuen Situation zu überzeugen. Die Frage die es zu beantworten gilt lautet: „Verbessert sich unsere Situation, wenn sie jetzt das Haus führen?“ Die Antwort darauf darf nur lauten: „ Ja.“ Und das Wie und Wo der Verbesserung muss möglichst schnell bewiesen und erlebar werden.

Das Verhalten des übernommenen Personals

Bewohner sind höchst empfänglich und sensibel für Zwischentöne. Hat das Personal Angst um seine Arbeitsplätze oder kommt mit den neuen „Managementmethoden“ nicht zurecht, so wird es das auch äußern. Den Bewohnern gegenüber vielleicht eher verhalten, aber für diese dennoch spürbar. Und diese werden sich mit den Mitarbeitern solidarisieren, weil sie von ihnen abhängig sind. „Jetzt sind die Schwestern nur noch zu zweit, da können sie mich ja auch nicht aus dem Bett holen. Früher war das aber viel besser.“ So wird Unzufriedenheit beim Personal zur Unsicherheit beim Bewohner. Das Ende vom Lied ist meist Unwohlsein im ganzen Haus.

Auch für den Kreis der Mitarbeiter gilt, sie sind Multiplikatoren der neuen Situation. Sie benötigen, ähnlich wie die Bewohner einen sichtbaren Beweis, dass es sich lohnt für das Neue einzutreten.

Wenn es gelingt Unwohlsein klein zu halten, besser es gar nicht erst aufkommen zu lassen, dann werden Übernahmen gelingen. Weil sie zum Wohl derer die darin leben und arbeiten geschehen. Denn bei aller Liebe zur Rendite, nur wenn jemand ins Heim einzieht, kann auch Geld verdient werden. Zufriedene Bewohner und auch Mitarbeiter sind langfristig der einzige Garant für Erfolg und Rendite.