Nicht jede Straßenecke braucht einen Briefkasten und nicht jedes Dorf ein Schwimmbad. Nicht jede Stadt braucht ein Krankenhaus und nicht jede Region unzählige Pflegeplätze. Schön wenn sie da sind. Doch nötig sind sie nicht mehr.

Wir haben uns nach Ende des II Weltkrieges auf eine nicht enden wollende Wachstumsstory eingestellt. Alles wollten und konnten wir uns leisten. Waren in den Jahren um 1950 noch Schwimmbäder die regelrechte Ausnahme, so wetteiferten in den Folgejahren die Bürgermeister um die größten und schönsten. Uns sollte es an Freizeitvergnügen nicht mangeln. Und wenn wir dann mal ernsthaft krank werden sollten, dann sollte man uns nicht, wie in den Zeiten davor, ins 30 Kilometer entfernte Kreiskrankenhaus fahren, sondern ins nahe gelegene städtische Krankenhaus. Jede Stadt die etwas auf sich hielt, wollte ihren Bürgern diese wohnortnahe Versorgung garantieren. Einfach, schnell und hochwertig sollte die Gesundheit zu uns kommen.

Ähnlich die Entwicklung in der Pflege. Der Aufbau von Kapazitäten wuchs beständig. Den alten Menschen sollte im Grünen und in einer ruhigen beschaulichen Umgebung ein würdiger Lebensabend ermöglicht werden. Die Alten zufrieden, die Kinder ohne schlechtes Gewissen und die Gesellschaft geeint. Zufriedene Gesichter überall.

Um diesen Standard zu finanzieren sind Wachstumsraten von 3% notwendig, die allerdings so realistisch sind, wie die Leugnung der Schwerkraft. Dieses Wachstum gibt es nicht und jetzt wird es eng. Schließungen und Privatisierungen von Krankenhäusern, Schwimmbäder oder Altenheimen sind längst zu einem Ausweg aus dieser Sackgasse geworden. Dennoch wird er von weiten Teilen der Bevölkerung nicht mitgetragen. Sollen zum Beispiel von 4 Schwimmbäder 3 geschlossen werden, so kann man sicher sein, dass erhebliche Proteste ausbrechen. Oft mit dem Ergebnis das irgendwie alle Bäder erhalten werden, aber für keines ausreichend Geld zur Verfügung steht. Nicht anders stellt es sich bei den Krankenhäusern, oder den Altenheimen dar. Und bei allem wird die Schuld entweder dem jeweiligen Management, den Politikern oder anderen Verantwortlichen angelastet.

Meiner Meinung nach liegt das Problem bei uns Bürgern. Wir haben völlig übersehen, dass die Bäume, nicht in den Himmel wachsen. Wir haben geglaubt dass alles so weiter geht wie bisher. Getreu dem Wahlspruch: Strompreise – Keine Ahnung, bei uns kommt der Strom aus der Steckdose. Wir müssen uns darüber klar werden, dass wir einmal erreichte Errungenschaften wieder hergeben müssen oder auch wie an Bäumen, Wildwuchs konsequent beschneiden müssen.. Konkret heißt das, wir werden zum Krankenhaus nicht mehr drei Kilometer fahren, sondern 12. Das Altenheim liegt nicht zwei Strassen weiter, sondern im anderen Stadtteil. Der Briefkasten ist nicht um die Ecke, sondern vier Strassen weiter. Und ich prognostiziere, dass unsere Sterblichkeitsrate nicht zunehmend wird, wir nicht von allen verlassen im Altenheim siechen werden und unsere Briefe ungelesen auf unserem Küchentisch vergilben. Uns wird es nicht schlechter gehen, wenn wir unsere Zukunft von den Lösungen der Vergangenheit befreien. Der Fortschritt sorgt dank Notarztwagen, ambulanter Pflege, Email und anderer segensreichen Entwicklungen dafür.