Das Thema Aussehen nimmt in der Gesundheitsbranche einen höheren Stellenwert ein. Heinz Bude, Abteilungsleiter des Hamburger Instituts für Sozialforschung hat auf dem diesjährigen 33. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Kassel darauf hingewiesen, dass das äußere Erscheinungsbild immer wichtiger wird. Auch in Berufen in denen dies bislang eher eine untergeordnete Rolle gespielt hat, wie z.B. im Gesundheitswesen, wird zunehmend auf ein „ansprechendes Äußeres“ geachtet.

Menschen die nicht fitt und flexibel sind, müssen demnach mit Ausgrenzung rechnen. Gründe für Ausgrenzung sind zum Beispiel schlechte Zähne, körperliche Gebrechen oder Übergewicht. Anders als zur Zeit noch in Deutschland, wird Übergewicht in den USA schon als typisches Unterschichtsmerkmal behandelt. Damit sind wir auf dem besten Weg, die Dicken automatisch als lethargische, leistungsunfähige und wenig leistungsbereite Menschen zu sehen, so Bude. Selbst Personalleiter schauen bei Dicken zweimal hin, wenn es um eine Einstellung geht. Und was Amerika hat, bekommen wir in Deutschland meist mit kurzer Zeitverzögerung auch.

Die konsequenteste Anwendung einer solchen Haltung betreibt zur Zeit die amerikanische Pharmaindustrie. Sie stellt bevorzugt Cheerleader ein, um Medikamente an die Ärzte zu bringen. Getreu dem Motto: „Sex sells“. Sollte dieses Beispiel Schule machen, dürften die Zahlen 90-60-90 bei künftigen Einstellungen von Schwestern, Altenpflegerinnen und Ärztinnen eine, in diesen Berufsgruppen noch nie da gewesene Bedeutung bekommen. Welch eine erschreckende Vorstellung.