Ein Teil der hiesigen Werbewirtschaft arbeitet für politische Parteien. Warum auch nicht. Ist ja nichts Anrüchiges. Es gibt weitaus unanstängigere Jobs . Da wird dann zwar schon mal von roten Socken geredet, oder andere kleine Gemeinheiten in die Welt gesetzt. Doch insgesamt hält sich die Verunglimpfung des politischen Gegeners in Grenzen. Ganz anders dagegen in Amerika. Hier scheint die Werbung ihren Wirkungsgrad danach zu beurteilen, wie tief sie den Bereich der Gürtellinie unterschreitet.

Mal wird dem demokratischen Kandiaten in New York Michael A. Acuri unterstellt, er telefoniere auf Kosten der Steuerzahler mit Telefonsex-Hotlines. Ein anderes Mal wird in Ohio dem demokratischen Kandidaten unterstellt, er wolle nichts gegen Sex mit Kindern unternehmen. In Tennessee wird dem Kandidaten Harold .E. Ford Jr. unterstellt, er habe eine vom Playboy gesponserte Super-Bowl-Party besucht. Als Beweis taucht im Video eine Blondine auf, die behauptet ihn auf dieser Playboy-Party kennen gelernt zu haben. Die Amerikaner nennen diese Form des Angriffs „attack ads“. Angriffsinserate. Das an den darin geschilderten Behauptungen oft wenig bis nichts dran ist, steht meist auf einem anderen Blatt.

In der Regel distanzieren sich die Kandidaten von solchen Machenschaften. Weder wollen sie derartiges in Auftrag gegeben haben, noch würden sie es dulden wenn sie davon wüßten. Richtig! Denn in der Tat werden sowohl Finanzierung als auch Durchführung dieser „attack ads“ meist von Unterstützergruppen geleistet. Das hat den unschätzbaren Vorteil, dass alle anderen ihre Hände in Unschuld waschen. Kandidat und Partei sind die Guten.
Mir gehen in diesem Zusammenhang drei Fragen durch den Kopf:

1. Wann werden wir amerikanische Verhältnisse in deutscher Wahlkampfwerbung haben?

2. Welche Werbeagentur wird die erste sein, die dies in Deutschland in Szene setzt?

3. Wie arbeiten die Kandiadten später zusammen, wenn sie sich vorher mit derart viel
Dreck übergossen haben?