Nach einem Niederschlag angezählt zu werden, ist für einen Boxer zwar kein erstrebenswerter, jedoch bekannter Zustand. Die Fähigkeit wieder auf die Beine zu kommen, ist gerade für diese Personengruppe enorm wichtig. Doch wie ist es mit dieser Fähigkeit bei uns Nicht-Boxern bestellt?

Im Leben außerhalb des Boxringes scheint die Fähigkeit nach einem Niederschlag wieder auf die Beine zu kommen, recht unterschiedlich verbreitet. Auf der einen Seite stehen Menschen die während einer Naturkatastrophe nahe Angehörige und ihr gesamtes Hab und Gut verloren haben. Doch schon kurz nach der Katastrophe beginnen sie, trotz Trauer und Schmerzen, mit dem Wiederaufbau. Auf der anderen Seite finden sich Menschen, die nach einem Arbeitsplatzverlust und den vielen darauf folgenden Bewerbungen jeglichen Antrieb verlieren und sich ihrem Schicksal ergeben. Sie verspüren keinerlei Lebensfreude mehr und sehen in sich mehr und mehr die Verlierer der heutigen gesellschaftlichen Entwicklungen. Warum gelingt den Einen, was den Anderen so gar nicht glücken will, nämlich nach einer Niederlage wieder aufzustehen?

Mitte der Neunziger untersuchten amerikanische Forscher Kinder die in so genannten dysfunktionalen Lebensumständen groß wurden. Trinkende oder schlagende, ebenso wie durch Gefängnisaufenthalte abwesende, oder psychisch kranke Elterteile bestimmten in diesen Familien das Bild. Einige dieser Kinder waren trotz ihrer schlimmen Lebensumstände seelisch intakt und entwickelten sich großartig. Hatten sie anderen Kindern, die sich nicht so großartig entwickelten, etwas voraus? War das angeboren oder erarbeiteten sie es sich mit den Jahren? Fragen die letztendlich ihren Niederschlag und auch ihre Beantwortung in der Resilienz-Forschung fanden. Mit diesem Begriff wird die Fähigkeit umschrieben, sich trotz Niederlagen, Krankheiten oder anderer Katastrophen immer wieder zu fangen und neu zu beginnen. Das Bild eines Stehaufmännchens verdeutlicht dies am treffendsten.

Erstaunlicherweise haben die oben genannten Forschungen die nahe liegende Vermutung nicht bestätigt, dass Kinder solcher Familien sich einfach ein dickes Fell zugelegt haben um ihr Leben und Überleben zu sichern und einigermaßen erträglich zu gestalten. Vielmehr stellte sich heraus, dass sie –bewusst oder unbewusst- besondere Strategien und Fähigkeiten benutzten, um den Problemen ihres Lebens zu begegnen. Mit diesen Strategien gelingt es ihnen immer weder auf die Füße zu kommen. Wenig erstaunlich ist dabei die Erkenntnis, dass sie mit jedem Niederschlag ihre Fähigkeiten verbesserten und verfeinerten. Mit der Zeit wurden sie zu wahren Überlebenskünstlern.

Jeder von uns hat in seinem Leben Tiefschläge durchlitten und hat sie mehr oder weniger gut verkraftet. Im privaten Bereich Tod, Ruin, Trennung, schwerwiegende Erkrankungen oder ähnliches. Im beruflichen Feld, Arbeitsplatzverlust, drastischen Einkommensverluste oder einfach nur die permanente Erniedrigung durch Mobbing. Die Varianten der Tiefschläge sind ebenso vielfältig wie individuell. Wenn man also etwas aus der Resilienz-Forschung für sein eigenes Leben lernen will, dann dies:

1. Von Geburt an bringt jeder unterschiedlich große Portionen Steh-auf-Qualitäten mit
2. Niederschläge gehören zum Leben und lassen sich nicht vermeiden
3. Steh – auf – Männchen – Haltungen lassen sich lernen und ausbauen durch

– das Üben von optimistischen Einstellungen
– das Akzeptieren dessen was geschehen ist
– den Wille nach Lösungen zu suchen
– die Bereitschaft die Opferrolle verlassen zu wollen
– die Zuordnung der Verantwortung für das Geschehene
– die Hinzuziehung anderer Menschen zu unserer Unterstützung
– die Gewissheit, dass wir eine gute Zukunft haben, sie aber planen müssen