Viel beschäftigte Chefs haben in der Regel nie Zeit. Unangemeldet bei ihnen einen Termin zu bekommen, ist meist unmöglich. Oft reagieren sie äußerst unwirsch darauf, wenn man „mal eben“ mit ihnen sprechen will. Aber denselben Leuten ist die Zeit plötzlich völlig gleichgültig, wenn es nicht ihre eigene ist.

Vor einiger Zeit hatte ich einen verabredeten Termin bei einem Geschäftsführer einer Sozialeinrichtung. Im Vorzimmer angekommen, begrüßte mich die Sekretärin genauso freundlich wie er selbst. „Er müsse nur noch eben ein kurzes Telefonat führen, dann können wir beginnen“. Mit dieser Aussage ging er in sein Büro zurück. Um zu demonstrieren, dass es wirklich schnell gehen würde, ließ er seine Zimmertür geöffnet. Nach 15 Minuten und vielen entschuldigenden Blicken seiner Sekretärin, bin ich gegangen.

Der schnellste und nachhaltigste Weg um einen schlechten Eindruck zu machen, und damit die Beziehung wesentlich zu belasten, ist der, die Zeit eines anderen zu vergeuden. Dies gilt in besonderem Maße dann, wenn es sich um die eigenen Mitarbeiter handelt. In einem solchen Fall kommt dann auch noch Herabsetzung dazu. Während der Chef einen Mitarbeiter zum Gespräch bestellt und wie selbstverständlich erwartet, dass der zum vereinbarten Termin pünktlich erscheint, nehmen sie sich heraus ihre Mitarbeiter warten zu lassen. Ist es dann soweit, erläutern sie mit einem kurzen charmanten Lächeln die Situation: „Tut mir leid dass Sie warten mussten, ich hatte noch ein sehr wichtiges Gespräch“. Da stellt sich schnell die Frage ob das Gespräch mit dem Mitarbeiter nicht wichtig ist und im gleichen Atemzug, weshalb es dann überhaupt stattfindet. Will man also vermeiden, dass derartige Enttäuschungen durch mangelnde Wertschätzung den Kontakt stören, könnte man folgende Kleinigkeiten beachten:

  • Während eines persönlichen Gesprächs nicht ans Telefon gehen. Man vermeidet damit die Notwendigkeit sich kurz zu fassen, sich zu rechtfertigen oder ähnliches. Wenn Sie keine Sekretärin haben, gehen Sie einfach nicht ans Telefon. Niemand arbeitet an einer solch exponierten Stelle, dass dieses Verhalten zum sofortigen Tode des Menschen am anderen Ende der Leitung führt.
  • Legen Sie die Zeit für das Gespräch fest. Ich habe einmal die Formulierung erlebt: „Herr Schröder schön dass Sie da sind. Wie viel Zeit wollten wir uns noch mal für das Gespräch nehmen? Ich dachte an eine halbe Stunde“. Klare Aussage, klarer Rahmen. Wenn Sie diese Zeit einhalten, so muss ihr nächster Gesprächspartner nicht warten und der Jetzige weiß wie viel Zeit er bei Ihnen hat.
  • Wollen Sie zudem noch etwas für die gute Stimmung in dem Gespräch tun, lassen Sie Ihr Gegenüber merken, dass er Ihre ganze Aufmerksamkeit besitzt. Dies schaffen Sie dadurch, dass Sie hektische und schnelle Begrüßungen, etwa mit folgendem Inhalt vermeiden: „Hallo Herr Schröder, tut mir wirklich leid, ich bin so im Stress und habe soviel um die Ohren, dass ich gar nicht weiß was ich zuerst und zuletzt machen soll“. Oder etwa wiederholtes auf die Uhr schauen, ob Sie noch in der Zeit liegen, begleitet von dem Gedanken, wie Sie die vielen Termine heute noch alle hinkriegen sollen. Halten Sie es wie das (gute) Servicepersonal in Fünfsterne-Hotels: Der Gast hat keinen Anspruch darauf unseren Druck und unsere Hektik zu erleben.