Es gibt Mitarbeiter mit sehr gutem Wissensstand, großer Kreativität, besten Qualifikationen und außerordentlichen Begabungen. Doch oft machen sie sehr wenig aus ihren Anlagen. In den einschlägigen Managementpublikationen ist dann diesbezüglich zu lesen: „Alles ist möglich“, wenn man nur positiv denkt und an den Erfolg glaubt.

Beruflicher und persönlicher Erfolg wird als Ergebnis von Spaß und Begeisterung dargestellt.

Was bei dieser Sicht der Dinge unter den Tisch fällt: Erfolg entstammt nicht nur der Zufriedenheit oder gar dem Spaß, sondern setzt eine gesunde Portion Härte voraus. Es kommt eben nicht nur auf die schönen Gefühle und die tolle Karrierestrategie an, sondern auf die tägliche Kleinarbeit.

Die Anstrengung steht vor dem Erfolg

Hört man Schauspielern, Fotomodellen oder Sportlern aufmerksam zu, wenn sie von den Grundlagen ihres Erfolges sprechen, dann ist immer wieder von Disziplin die Rede. Ein Schauspieler kann noch so begabt sein, er ist nichts, wenn er seinen Text nicht lernt. Ein Fotomodel kann noch so attraktiv sein, es erscheint auf keiner Titelseite, wenn es nicht stundenlang immer wieder die gleichen Posen zeigen kann. Und ein Sportler kann noch so athletisch sein, er wird keine Medaille erringen, wenn er nicht bereit ist, auch ungeliebte Trainingseinheiten immer und immer wieder zu absolvieren.

Wie konnte die einfache Tatsache, dass Disziplin der Hauptmotor allen Erfolges ist, in beruflichen Zusammenhängen so unter den Tisch fallen? Liegt es daran, das in heutiger Zeit gesagt wird, Erfolg beruhe auf allem anderen als auf harter Arbeit? Natürlich klingt es besser zu sagen: „Glaube an dich, und du wirst es schaffen“ als „Quäl dich“.

Führung setzt Regeln und fordert

Mitunter haben Führungskräfte Mitarbeiter mit besten Voraussetzungen und müssen mit ansehen, wie diese unter ihren Möglichkeiten bleiben. In der Folge wird motiviert, positiv verstärkt sowie an den Teamgeist und die Solidarität appelliert. Wenn auch das nicht hilft, beschleichen die Führungskräfte oft Selbstzweifel: „Was mache ich falsch?“ Oder zweifeln gar an ihrer Führungskompetenz. Auch in diesen Fällen scheint die einfache Tatsache, dass Mitarbeiter durch ihre Vorgesetzten zur Disziplin angehalten werden müssen, verloren gegangen.

Erstaunlich ist dabei insbesondere, dass Mitarbeiter oft schon Phasen hoher Selbstdisziplin hinter sich haben. Sie haben sich gequält, um durch die Ausbildung oder auch das Studium zu kommen. Haben tage- und nächtelang für Klausuren gepaukt. Viele haben neben dem Studium gearbeitet. Und dies alles soll im Berufsleben nicht mehr gelten? Dort ist dann die Führungskraft für das Wohlfühlen zuständig. Der Motivationsservice darf nicht durch Anweisungen, Vorgaben und Vorschriften des Vorgesetzten gestört werden!

Wieder hilft ein Blick auf Schauspieler, Fotomodelle und Sportler, um die Dinge ins rechte Licht zu rücken. Mit größtem Respekt sprechen sie gerade von Regisseuren, Fotografen sowie Trainern, unter deren harter Führung sie große Erfolg feierten. Gute Regisseure sind nett und positiv, doch nehmen sie vor allem auch Spitzendarsteller hart ran, geben klare Anweisungen und werden streng, wenn ein Schauspieler glaubt, sich Starallüren herausnehmen zu können. Ebenso verhält es sich bei Sporttrainern. Sie fackeln auch nicht lange, wenn ein Spieler in der Disziplin nachlässt. Kommt er nicht zum Training oder macht die Ballübungen nur lustlos, spielt er nicht – Punktum!

Führungskräfte müssen wie ein Regisseur klare Anweisungen geben, Gehorsam einfordern und bei Bedarf sanktionieren. Sie müssen wie Trainer konsequent Leistung verlangen, und wie ein Schiedsrichter Regelverstöße ahnden.

Das wiederum erfordert seitens der Führungskraft, sich die Selbstdisziplin aufzuerlegen, diese Dinge sowohl konsequent umzusetzen als auch mit negativen Gefühlen leben zu können. Ja, sie wird damit leben müssen, dass einige Mitarbeiter erst am Ende, wenn das Ziel erreicht ist, ihr Recht geben: „Gut, dass Sie hart geblieben sind und gefordert haben.“

Mitarbeiter kennen den Wert der Disziplin

Die meisten Mitarbeiter akzeptieren das Prinzip der Disziplin. Sie wissen, dass sie beispielsweise die guten Ausbildungsergebnisse nicht dem Spaß, sondern der harten Arbeit verdanken – dem Pauken und dem Durchhalten.

Viele Mitarbeiter treiben Sport oder haben ihn ausgeübt. Deshalb kennen sie den Wert der Disziplin für den Erfolg einer Mannschaft. Sie wissen, dass auch die beste Mannschaft nicht siegen kann, wenn der Einzelne sich nicht an die Team-Regeln hält. Sie akzeptieren die sanktionierende Rolle von Trainern, Teamleitern und Schiedsrichtern.

Insofern werden Sie offene Türen einrennen, wenn Sie ihren Mitarbeitern verständlich machen, dass – neben dem Spaß an der Arbeit und der Begeisterung für die Ziele – das disziplinierte Arbeiten im Vordergrund stehen muss. Besonders wenn es langweilig wird, wenn Aufgaben eintönig sind oder wenn Geld knapp ist. Besonders dann muss unvermindert weiter gemacht werden. Das hat mit Spaß oder Begeisterung nichts zu tun!

Disziplin im Arbeitsalltag bedeutet:

Zielstrebig arbeiten, auch wenn man ‚mal keine Lust hat.
Arbeiten gut erledigen, auch wenn sie keinen Spaß machen.
Regeln akzeptieren, auch wenn sie persönliche Freiheiten einschränken.
Anweisungen von Vorgesetzten respektieren, auch wenn sie nicht sofort einsichtig sind.

Disziplin ist in guten Zeiten ein Erfolgsmotor, in krisenhaften Zeiten ist sie eine der wichtigsten Tugenden.