Führungskräfte sind es gewohnt sich in wichtigen Sachen durchzusetzen. Wird dieses Verhalten jedoch auf triviale Angelegenheiten übertragen, wirkt es destruktiv. Der Wunsch nach Durchsetzung wird selbst dann noch aufrechterhalten, wenn die Angelegenheit zum eigenen Nachteil gereicht.

Menschen in Führungspositionen haben den Wunsch zu gewinnen. Bedingt durch ihr eigenes Verhalten, aber auch durch die äußeren Anforderungen und Bilder über effiziente Manager. Die Stilblüten sind nur allzu bekannt. „Seien Sie ein Gewinner“, „Sie müssen siegen lernen“ oder „Wir wollen einen Gewinner“. Doch bei näherer Betrachtung stellt sich die Frage ob das immer und vor allem überall richtig ist.

Ein Beispiel: Sie wollen zum Italiener Essen gehen. Ihre Frau möchte lieber zum Chinesen. Es gibt einen Streit. Am Ende entscheiden Sie sich mit zum Chinesen zu gehen, obwohl Sie nicht wollten. Dort ist das Essen grottenschlecht, die Bedienung maulfaul. Sie haben jetzt zwei Möglichkeiten. Die erste: Sie kritisieren das Essen und sowieso alles was damit zusammenhängt. Ferner erläutern Sie mit wissender Mine, dass das alles nicht passiert wäre, wenn sie auf Sie gehört hätte und gleich mit Ihnen zum Italiener gegangen wäre. Dazu äußern Sie noch den Hinweis dass Sie es ja gleich gewusst haben.

Die zweite Möglichkeit: Sie verkneifen sich jede Bemerkung, essen das Menü und plaudern mit Ihrer Frau über die schönen Seiten des Abends. Erwähnen, dass sie beide ein paar schöne Stunden vor sich haben, und den Abend genießen sollten.

Was meinen Sie was ¾ aller Führungskräfte in solch einer Situation tun würden? Sie würden das Essen kritisieren! Obwohl alle darin übereinstimmen, dass es vermutlich besser wäre, den Mund zu halten und die zweite Lösung zu wählen. Würden sie hier eine gängige Kosten-Nutzen Rechnung aufmachen, wie sie die täglich in betrieblichen Abläufen erstellen, würden sie einsehen: Ihre Ehe und Ihr Wohlbefinden ist wichtiger, als diesen Streit zu gewinnen. Holen Sie tief Luft und fragen Sie sich bevor Sie sich in eine solche Auseinandersetzung stürzen: Ist es das wert? Was habe ich davon wenn ich gewinne? Was verliere ich falls ich gewinne?

Dies gilt natürlich nicht nur im privaten Bereich. Auch im beruflichen Umfeld stehen Sie vermutlich oft vor der Fragestellung: Konflikt, ja oder nein? Natürlich müssen und sollen Konflikte ausgetragen werden. Doch es muss in gesunder Relation stehen. Vielfach führt es weiter, wenn Sie sich angewöhnen, vor dem Sprechen tief durchzuatmen und nicht gleich zu sagen was Sie eigentlich sagen wollten. Denn oft ist das was man sagen wollte, am Ende gar nicht mehr erwähnenswert. Bleiben Sie gelassen. Es bringt alle Beteiligten weiter.