Neulich auf einem Vortrag. Der Referent sprach zum Thema Managementanforderungen der kommenden Jahre. Die Zuhörer sollten einen Überblick erhalten, welche Ansprüche zukünftig an Führungskräfte zu stellen sind.
Der Vortragende beschrieb mit umfangreicher Powerpoint-Unterstützung, was ein Mitarbeiter im Management künftig alles leisten müsse. Neben der Muttersprache drei weitere Sprachen, zwei davon fließend in Wort und Schrift. Einige Jahre Auslandsaufenthalt, hohe soziale Kompetenz, erfolgsorientiert, durchsetzungsstark, zielsicher, charismatisch, gesund sowie fitnessorientiert, flexibel, ortsungebunden und kulturell interessiert, um nur einige der vielen erwarteten Fähigkeiten aufzuzählen. Wird hier ein Genie beschrieben? Ist das ein ernst gemeintes Anforderungsprofil, das so auch in einer Suchanzeige erscheinen könnte?

Schaut man sich nämlich die betriebliche Praxis einmal genauer an, so begegnen einem nicht so furchtbar viele Genies. Stattdessen finden wir im Betrieb ganz gewöhnliche Menschen. Diese Menschen haben meist ganz normale Fähigkeiten, übliche Hobbys und zuweilen auch das Bedürfnis nach einem Leben außerhalb der Arbeit und des Unternehmens. Beispielweise mit ihren Familien und Freunden.

Mit diesen Mitarbeitern gilt es, durch außergewöhnliche Leistungen konkurrenzfähige Produkte oder Dienstleistungen zu entwickeln und diese den Kunden zu vermitteln. Wenn also in den Betrieben die Suche danach beginnt, wie normale Mitarbeiter unterstützt werden können, damit sie durch ihre außergewöhnliche Leitungen diese hochwertigen Produkte erbringen können, dann erübrigt sich die Suche nach Genies. Es lassen sich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.
Erstens: Der Betrieb erspart sich die bittere Erfahrung, dass die Suche nach Genies frustrierend und meist vergebens ist.
Zweitens: Man erspart den Mitarbeitern die schmerzvolle und wenig hilfreiche Erfahrung, dass sie die Fähigkeiten eines Genies nie erreichen werden.

Der Referent selbst sprach Deutsch und als Zweitsprache Englisch. Seine Auslandsaufenthalte beschränkten sich auf einmal 3 Monate während des Studiums. Ein ganz normaler Mensch eben!