Es ist ein offenes Geheimnis dass jeder Betrieb einen Stamm von Führungskräften beherbergt, der nur geringe  Kenntnisse effektiver Führung besitzt. In wirtschaftlich ruhigen Zeiten stellen sie, in der Regel, für den Betrieb auch kein großes Problem dar.

Sie werden erst dann zum Problem, wenn der Druck zunimmt. Stagnierende Umsätze, wirtschaftliche Zwänge, Umstrukturierungen oder Entlassungen sind die Treibsätze die die Defizite dieser Führungskräfte ans Licht befördern.

Der Betrieb hat in der Regel nicht gespart an Investitionen ins Human Capital wie Mitarbeiter heute gern genannt werden. Moderations-, Rhetorik-, Präsentations- und Kommunikationsseminare hat jede Führungskraft, mitunter bis zum Verdruss, durchlaufen. Und selbstverständlich haben sie in ihrer persönlichen Entwicklung davon mehr oder weniger profitiert. Sie sind meist selbstsicherer geworden, können sich oftmals gewählter und klarer ausdrücken und sind in der Lage eine respektable Power Point Präsentation zu gestalten. Sie haben gelernt die weichen Anteile wertzuschätzen. Mitarbeiter am Prozess zu beteiligen, sie zu fördern und sie angemessen zu behandeln. Sie haben zu ihren Leuten meist einen guten persönlichen Draht. Ihre hohe fachliche Qualifikation mit dem Basisrüstzeug des Managementalltags hat ausgereicht, damit sie ihre Abteilung gemäß den Vorgaben führen. Sie waren, wenn man so will, Kapitäne auf ruhiger See.

So haben sie mitunter viele Jahre, recht erfolgreich, im Betrieb verbracht. Doch in wirtschaftlichen Krisen kommt es zu Irritationen bei Ihnen. Sie müssen mitunter innerhalb kürzester Zeit Maßnahmen exekutieren die für die Belegschaft schwierig bis grausam sind. Sei es Zusammenlegungen oder Auflösungen von Abteilungen, Versetzungen von Mitarbeitern, beenden oder nicht verlängern von Vertragsverhältnissen, Vermittlungen von Gehaltskürzungen um nur einige wenige Herausforderungen zu nennen. Nun stoßen sie sehr elementar an ihre Grenzen. Sie haben keine Vorstellung davon wie das alles gehen kann und soll. Stehen in Loyalitätskonflikten zwischen sich, ihren Mitarbeitern und ihren Arbeitgebern. Es existiert kein Bild darüber welche Rolle sie haben. Sind sie nun Arbeitnehmer, Arbeitgeber oder etwas dazwischen?

Sie beginnen aus dem Bauch heraus zu handeln, wollen es oftmals allen recht machen. Ihren Mitarbeitern die Notwendigkeit der Lage erklären, ihren Vorgesetzten die Problematik einiger Maßnahmen verdeutlichen und sich selbst Mut machen, das alles doch irgendwie einvernehmlich zu schaffen. Pendeln zwischen autoritärem und kooperativem Führungsstil und neigen zu unvorhersehbarem Verhalten. Sie werden für ihre Mitarbeiter zu einem Buch mit sieben Siegeln. Sich selbst erleben sie nicht selten an den Grenzen der physischen und psychischen Belastbarkeit. Nicht wenige dieser Führungskräfte neigen in den Zeiten starker Beanspruchung zur Niederlegung ihrer Funktion oder gar zur Kündigung. Das ist, sowohl für den Betrieb als auch, für den Einzelnen eine bittere Erfahrung und Entscheidung die weder hilfreich noch wünschenswert ist.

Wünschenswert wäre es, wenn die Führungskräfte sich ihrer Rolle bewusst werden würden. Nur wer nüchtern und kritisch eine Bestandsaufnahme der Anforderungen durchführt wird in der Lage sein zu beurteilen ob er diesen Anforderungen genügen kann und will. Ob er von einem Kapitän auf ruhiger See zu einem Kapitän auf stürmischer See werden will. Wenn das der Fall sein sollte, können ein paar Blicke auf die Aufgaben und Haltungen solcher Kapitäne hilfreich sein.

– Kapitäne stehen für alle sichtbar auf der Brücke
– Kapitäne bestimmen den Kurs
– Kapitäne können navigieren
– Kapitäne diskutieren und entscheiden eindeutig
– Kapitäne sorgen dafür dass jeder seinen Job macht
– Kapitäne delegieren und kochen nicht selbst
– Kapitäne lassen die Ladung sichern
– Kapitäne stellen die Mannschaft zusammen
– Kapitäne sorgen für die Betriebssicherheit des Schiffes
– Kapitäne sind einsam, weil sie die Verantwortung nicht teilen können
– Kapitäne schützen die Mannschaft vor Angriffen
– Kapitäne stehen vor und nicht hinter ihrer Mannschaft
– Kapitäne wissen wann man raus fährt und wann nicht
– Kapitäne nehmen keine Himmelfahrtskommandos an
– Kapitäne kommen als erste und gehen als letzte von Bord

Ist die Rolle eindeutig, werden die Führungskräfte klar gegenüber ihren Mitarbeitern, ihren Vorgesetzten und anderen Beteiligten Position beziehen können. Es wird keinen Zweifel, weder bei ihnen noch bei den Mitarbeitern darüber geben, wie die Reise stattfindet, noch wohin sie geht, noch was transportiert wird.