Für viele von uns ist es schon schwer genug nach mehr oder weniger reiflicher Überlegung zu einer, hoffentlich richtigen, Entscheidung zu kommen. Noch viel schwerer ist es allerdings mit ansehen zu müssen, wenn die Ergebnisse der getroffenen Entscheidungen nicht unseren Vorstellungen entsprechen. Nicht selten macht sich dann Frust breit und Verantwortliche für diese Missetat werden gesucht.

Jeder von uns trifft in seinem beruflichen Leben eine unzählige Menge von Entscheidungen. Arbeitsverhältnisse werden eingegangen und wieder aufgelöst, Gehaltsvereinbarungen werden getroffen und neue Verantwortlichkeiten werden übernommen. Nicht jede dieser Entscheidungen hat gehalten was wir uns davon versprochen haben. Doch statt frank und frei anzuerkennen dass wir uns da geirrt haben oder uns nicht durchsetzen konnten, werden Schuldige gesucht. Häufige Kandidaten für die Rolle der Schuldigen sind: Die Umstände, die Chefs, die missgünstigen Kollegen oder die Struktur.

Dabei ist die Sache letztlich ganz einfach. Die Verantwortung für unsere Entscheidungen kann uns niemand abnehmen. Darüber hinaus kann uns auch niemand den Preis, den wir für unsere Entscheidungen zu zahlen haben, erstatten. Dennoch bemühen wir uns, mit teilweise enorm ausgefeilter Logik, eine Erklärung zu finden, weshalb wir nicht verantwortlich sind für das was eingetreten ist. Diese Haltungen, des Drückens vor den Kosten der Entscheidungen, haben eine lange Tradition.

Die Mathearbeit in der Schule, die statt der erhofften 12 Punkte nur noch drei Punkte abwarf. Dafür ist nicht etwa der Schüler verantwortlich, weil er nicht intensiv genug gelernt hat. Nein, dafür ist in erster Linie der Lehrer verantwortlich. Hat er es doch versäumt die Klausur rechtzeitig anzukündigen, die Aufgaben nicht ausführlich genug im Unterricht besprochen und ohnehin Aufgaben gestellt die überhaupt nicht Gegenstand der Klausur hätten sein dürfen. Dass der Schüler mit seiner Einschätzung richtig liegt beweist aus seiner Sicht die Tatsache, dass auch einige andere Schüler nicht mehr als drei Punkte erzielt haben. Selbstverständlich unterschlägt er in seiner Rede, dass mehr als 50% der Schüler über 9 Punkte erhalten haben.

Die zwei Abteilungen aus denen innerhalb eines halben Jahres eine gemacht werden sollte und die nach 12 Monaten immer noch im Kleinkrieg untereinander verstrickt sind. Dafür ist natürlich nicht der Abteilungsleiter verantwortlich, sondern in erster Linie sein Vorgesetzter, der mit unrealistischen zeitlichen Vorgaben hantiert hat, keine offene Kommunikation betrieben hat, immer wieder mit neuen Teilzielen auftauchte und zu guter letzt das Ganze auch nur halbherzig unterstützt hat. Wie überhaupt das ganze Unternehmen nicht genau gesagt hat, was es eigentlich wolle. Nicht erwähnt wurde in dieser Beschreibung, des Abteilungsleiters, dass ein vergleichbares Projekt einer anderen Abteilung reibungslos in dem vorgegebenem Zeitrahmen durchgeführt wurde.

Es ist in keinem Fall hilfreich nach Schuldigen zu suchen. Sie lassen sich ebenso leicht finden wie nutzen. Es geht vielmehr um eine Frage der Haltung und Einstellung. Wie sollen Mitarbeiter lernen Entscheidungen zu treffen und etwas, dass sich durchaus als Flop entpuppen könnte, durchzuboxen, wenn sie bei ihrem Vorgesetzten sehen, dass dieser jede Form des Erfolges an sein Revers heftet, jede Form des Misserfolges aber an fremde Revers anzubringen versucht. Soll im Betrieb dass weit verbreitete Spiel des ewigen Absicherns der Entscheidungen, der Rückdelegationen auf die nächst höhere Managementebene durchbrochen werden, bedarf es einer Haltung die sich am besten mit unbedingter Verantwortungsübernahme beschreiben lässt. Grundsätze die dies verdeutlichen, sowohl für Mitarbeiter als auch für Vorgesetzte, könnten so aussehen:

Ich stehe für das Verfehlen des Zieles grade
Ich rede mich nicht raus
Ich mache niemand anderen verantwortlich
Ich trage etwaige Konsequenzen für meine Karriere klaglos
Ich erwarte vom Unternehmen eine zweite Chance

Eine Einstellung die den Umgang mit der Verantwortungsübernahme begleiten sollte, ist die Art wie man sich solche Fehler zu Eigen macht. Es hilft wirklich niemanden, weder dem Unternehmen noch den Betroffenen, wenn man sich Asche auf`s Haupt streut. Denn bei genauerer Betrachtung ist nichts weiter als ein Fehler passiert. Es ist niemand gestorben, keiner ernsthaft verletzt oder schwerer körperlichen zugefügt worden. Auch wenn dem Unternehmen ein finanzieller Schaden zugefügt wurde, so ärgerlich wie das auch ist, ist es nicht der Untergang der Welt. Ist gibt immer ein zweites Mal.